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Justage von Teleskopen

Überprüfung der Kollimation (Justage)
Justage
Benötigte Utensilien
Justageokular selbst bauen
Justage eines Newton-Teleskopes
Die "Barlowed Laser Methode"
Justage eines Refraktors

Ich möchte hier "kurz" auf die Justage von Teleskopen (Newton und Refraktor) eingehen. Für Maksotovs und Schmidt-Cassegrains ist dies zwar auch möglich, jedoch um längen komplizierter, besonders wenn der Fangspiegel nur auf die Meniskuslinse der Maksutovs aufgedampft ist. Einem Dejustierten Mak oder SC steht man meist recht hilflos gegenüber, und man sollte es zum kollimieren (justieren) in Fachhände geben.

Ich werde versuchen die Anleitung so kompakt und einfach zu halten wie möglich, halt einsteigergerecht. Für weitergehende und umpfangreichere Anleitung ist das Internet eine gute Quelle. Besonders da es auch Systeme gibt die mit einem Offset arbeiten, also einem nicht genau zentrierten Fangspiegel. Oft sind das Teleskope der gehobenen Klasse, die auch lichtstärker sind als Einsteigerteleskope. Da wir aber hier den Einstiegssektor betrachten, wird sicher keiner hier mit einem f/4 Newton für 2000+ € mitlesen :)

Aber fangen wir mal an, wenn Fragen auftauchen sollten, schreibt mir ins Gästebuch, oder eine Mail, ich versuche sie dann zu beantworten, oder es hier mit einzubauen.

Überprüfung der Kollimation

Als erstes wird einmal überprüft, ob überhaupt eine Justage notwendig ist. Bei einem Neukauf, oder einem Ortswechsel (Transport im Auto) ist das recht sinnvoll :) Newtonsysteme sind anfälliger für eine Dejustierung als Refraktoren, baubedingt, aber auch ein Refraktor sollte ab und zu überprüft werden.

Das wird am besten am Stern durchgeführt. Man sucht sich einen mittelhellen Stern heraus, und defokussiert (stellt unscharf) leicht. Bewegt sich der der Okularauszug (OAZ) nach innen, zum Teleskop hin, so nennt man das intrafokal, fährt er heraus heisst es extrafokal. Ist nicht so wichtig, Hauptsache ist er bewegt sich :)

Durch das unscharf stellen wird der Stern größer, und es bilden sich sogenannte Beugungsscheibchen, die sich oft auch zu Ringen formen, beim Refraktor stärker als bein Newton. das sieht dann in etwa so aus wie hier rechts.


(anklicken für größere Version)

Wenn man etwas weiter dreht, so werden beim Newton auch der Fangspiegel, und die Fangspiegelstreben sichtbar, wie in der Skizze hier rechts zu sehen.

Sind die Kreise die ihr da seht schön rund, so ist alles bestens, und eine Justage ist nicht notwendig.

Bildet der Stern jedoch einen kleinen Kometenschweif, und die Ringe tendieren in eine bestimmte Richtung, so ist das Teleskop dejustiert, und ihr solltet hier weiterlesen, und handeln :)

Wenn der Stern jedoch dreieckig wird, dann habt ihr ein anderes Problem, Astigmathismus. Das kann von einem verspannten Hauptspiegel herrühren. Oft reicht es die Schrauben die den Spiegel halten leicht zu lösen, und wieder fest zu drehen (nicht zu fest, sonst habt ihr das selbe wieder). Das macht jedoch einen Ausbau der Spiegelzelle nötig. Wenn ihr euch das nicht zutraut, fragt lieber jemanden der mehr Erfahrung hat und schon mal einen Hauptspiegel ausgebaut hat.

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Justage

Benötigte Utensilien

Für Newtons:

- Justageokular mit Fadenkreuz (selbst gebaut, oder gekauftes Justageokular (Cheshire))
- mittig markierter Hauptspiegel (HS) im Teleskop
- zwei Blätter Papier, oder Pappe

Im besten Fall habt ihr noch einen Justierlaser, das macht es etwas einfacher, die kosten jedoch Geld, klar, aber diese Ausgabe lohnt sich wirklich, wie ihr gleich sehen werdet.

Im allerbesten Fall habt ihr beides gekauft, ein Cheshire-Okular und einen Justierlaser.

Für Refraktoren:

- Justageokular (mit oder ohne Kreuz spielt da keine Rolle)

Justageokular selbst bauen

Ihr braucht: eine transparente Filmdose, etwas Zwirn, Klebestreifen, Nadel, Feuerzeug, Messer, Alufolie

Von der Filmdose schneidet ihr den Boden ab. Und in den Deckel, nachdem ihr ihn mit Alufolie ausgekleidet habt, macht ihr genau mittig (das ist einfach, da ist meist herstellungsbedingt die Mitte markiert ist, durch eine Eindellung, oder ähnliches) ein Loch mit einer heißen Nadel. Dann prüft ihr ob eure Fildose gut in den OAZ passt, und nicht rein und raus rutscht. Gegebenenfalls etwas Tesafilm oben und unten drum kleben, da wir das Okular nicht klemmen können, weil es sich dann verformt, und nicht genau im OAZ sitzt.

Bei einem Refraktor seid ihr jetzt fertig, bei einem Newton braucht ihr noch ein Fadenkreuz. Das baut ihr einfach indem ihr Bindfaden über die innere Öffnung legt (also die die zum Teleskop zeigt, wo der Boden mal war) und ihn dann aussen mit Tesafilm fixiert. Zwei Faden im rechten Winkel zu einander, die sich genau in der Mitte der Filmdose kreuzen.

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Justage eines Newton-Teleskopes

Euer Teleskop ist also dejustiert. Gut, dann werden wir es jetzt justieren. Ich hoffe ihr habt etwas Zeit. Beim ersten mal kann das etwas dauern, aber mit jeder Justage geht es leichter von der Hand, und irgendwann packt ihr das in ein paar Minuten. Oft ist im feld nur eine kleine Nachjustage des HS notwendig. Was schnell zu erledigen ist. Besonders mit einem Laser.

Schritt 1

Prüfen des HS-Sitzes.

Der Hauptspiegel muss zentriert im Teleskop sitzen, dafür kuckt ihr einfach von vorn ins Teleskop. Und zwar so, dass die Fangspiegelstreben genau über ihrer eigenen Spiegelung im Hauptspiegel liegen. Jetzt sollte der HS-Rand ringsherum den selben Abstand zum Tubus haben. Ist das nicht der Fall, sollte das korrigiert werden.

Wie eure Haupstspiegelzelle aufgebaut ist, kann variieren, schaut sie euch genau an, bevor ihr da etwas zerlegt, dass ihr auch alles wieder zusammenbekommt.

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Schritt 2

Fangspiegelsitz prüfen.

Ihr kuckt immernoch von vorn ins Teleskop, der Fangspiegel sollte mittig im Rohr sitzen, also der HS sollte um den FS einen gleichmäßig dicken Ring bilden.

Ist dies nicht der Fall, so sollte man das korrigieren. Indem man die Fangspiegelstreben lockert (die Schrauben am Tubus) und so wieder fest zieht, dass der FS mittig liegt. (Nicht zu fest anziehen, der Tubus könnte sich verformen)

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Schritt 3

Fangspiegel im OAZ zentrieren.

Legt ein Blatt Papier hinter den Fangspiegel (vom OAZ aus gesehen), und am besten auch zwischen HS und FS. So dass man im OAZ schön den Rand des FS erkennt. Der Rand sollte ringsherum den selben Abstand zum OAZ-Tubus haben. Ist das nicht der Fall muss der Fangspiegel justiert werden. dafür habt ihr, vom vorderen Teleskoprand gesehen) drei kleine Schrauben an der Fangspiegelhalterung. Und im Zentrum der drei Schrauben eine weitere, die alles zusammen hält.

Sitzt der FS nicht mittig im OAZ so gibt es nur zwei Wege. Entweder er sitzt zu nah am Rand der zum HS zeigt, oder zu nahe am Rand der zur Tubusöffnung zeigt. Ist der Rand Richtung der Richtung Tubusöffnung zeigt kleiner als der andere Rand, so Muss der FS mehr zum HS hin verschoben werden, also die drei kleinen Schrauben lösen, aber gleichmäßig, so dass sie immer gleich lang herausragen. Und die Mittlere weiter rein drehen. Jetzt bewegt sich der FS zum HS hin, und der Rand im OAZ sollte sich in die richtige Richtung vergrößern.

Ist es umgekehrt, so muss die mittlere Schraube weiter raus, und die kleineren weiter rein.

Jetzt sollte der FS schön mittig im OAZ sitzen.

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Schritt 4

Fangspiegel zum Hauptspiegel ausrichten.

Nehmt das Papier wieder raus. Und jetzt teilen sich die Justagewege:

Mit dem Justageokular:

Schaut durch das Justageokular, und seht euch die Mittenmarkierung des HS an, diese sollte mit dem Fadenkreuz des Okulars übereinstimmen. Tut sie das nicht, so müsst ihr den FS justieren.

Fasst die Halterung des FS an, und bewegt den FS leicht. dann seht ihr was ihr justieren müsst.

Wenn es reicht den FS leicht zu drehen. Also auf der Achse der auch der Tubus des Teleskopes entspricht, so wird NUR die mittlere Schraube der FS-Halterung gelockert, und der FS leicht gedreht, und die Schraube wieder angezogen.

Wenn der FS gekippt werden muss, um die Mittenmarkierung und das Fadenkreuz zu Deckung zu bringen, so müsst ihr die kleinen (Justage-)Schrauben benutzen, die Mittlere wird nicht verwendet.

Ich habt da drei Schrauben. Eine ist am weitesten weg vom OAZ. Lockert ihr die, und zieht die beiden anderen fester an, so kippt der Spiegel in die eine Richtung, macht ihr es anders herum, so kippt er in die andere Richtung. Jetzt bringt ihr Fadenkreuz, und Mittenmarkierung des HS zur Deckung.

Weiter zu Schritt 5

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Cheshire Okular
Bild von Wolfi

Mit Justierlaser

Zuerst einmal überprüfen wir den Laser selbst, der sollte auch justiert sein, ab Werk, aber falls er mal runter fällt, und dann noch funktioniert, muss er justiert werden. Das ist ganz simpel. Wir stecken den Laser in den OAZ, so dass das dickere Teil auf dem OAZ aufliegt, und man nicht klemmen muss. Ja, der OAZ sollte immernoch nach oben zeigen :)

Jetzt drehen wir den Laser. (Oft ist der Punkt den er projeziert leicht oval, was eigentlich egal ist, aber hierfür eher sinnvoll). Der Laserpunkt, oder das Oval, sollte um sich selbst rotieren, wenn man den Laser im OAZ dreht. Fährt er einen Kreis, so steckt er entweder zu locker im OAZ (prüfen) oder er ist dejustiert. Auch ein Justagelaser hat drei Schrauben, meist kleine Madenschrauben. Da wieder eine merken, und so lassen wie sie ist, und mit den andern beiden den Laser so justieren, dass der Punkt sich nur um sich selbst dreht, wenn man den Laser im OAZ dreht.

Jetzt können wir justieren. Dabei geht ihr genauso vor wie bei der Methode mit dem Justage-Okular (siehe oben) nur dass ihr hier kein Fadenkreuz habt. Sondern den Laserpunkt auf die Mittenmarkierung bringen müsst.


Justierlaser
Bild von Wolfi

So, nun kann es sein, dass der FS nicht mehr mittig im OAZ sitzt. Wir fangen bei Schritt 3 wieder an, und wiederholen alles, dann wieder prüfen, usw. bis alles passt.

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Schritt 5

Hauptspiegel justieren.

Mit dem Justageokular

Beim gekauften Cheshire habt ihr eine schräge reflektierende Fläche, beim Selbstbau-Okular habt ihr die Alufolie (Die Filmdose sollte etwas herausragen, damit Licht auf die Alufolie trifft). Dieses zusätzliche Licht, sorgt dafür, dass der FS gut beleuchtet ist, so dass man das als helleren Bereich im HS sieht. Im Zentrum dieses helleren Bereiches muss nun die Mittenmarkierung des HS sein.

Dafür benutzt ihr die Justageschrauben am HS-Ende des Tubus.

Entweder habt ihr da drei Schrauben die per Feder gegen die Spiegelzelle drücken, oder 6 Schrauben, bei denen immer zwei eine Gruppe bilden, eine zieht die HS-Zelle zum Boden hin, die andere drückt dagegen, um Spannung zu erzeugen. In diesem Fall müssen beide Schrauben benutzt werden, eine lockern die andere fester ziehen.

Habt ihr die Federversion, so markiert euch eine Schraube, die ihr nicht benutzt. habt ihr Zug- und druckschrauben, so markiert euch eine dieser drei Gruppen die ihr nicht benutzt.

Mit den anderen beiden Schrauben bzw. Schraubengruppen justiert ihr nun den HS, bis die Mittenmarkierung im Zentrum des helleren Bereiches liegt.

Mit dem Justierlaser

Dieser Schritt ist mit dem Laser denkbar einfacher. Man stellt sich an das Ende vom Teleskop und dreht den Laser so, dass man die schräge Mattscheibe des Lasers gut sieht. Nun sieht man wieder den Laserpunkt, irgendwo auf der Mattscheibe. Der HS wird nun so justiert (wie oben beschrieben), dass der Laserpunkt wieder in das Loch zeigt, aus dem er ursprünglich kommt.


Justierlaser in Aktion
Bild von Wolfi

Fertig.

Jetzt sollten im OAZ, oder dem Justageokular auch alle Ringe die zu sehen sind schön zueinander passen, und keiner sollte mehr zu einem rand als zu einem anderen neigen... ansonsten: Wo ist Schritt 1 nochmal? Genau, oben :)

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Fein-/ Endjustage im Feld.

Ja, das Teleskop wurde ja bewegt, also prüfen wir die Justage nochmal am Stern (ein Plössl mit 10 oder 15 mm reicht dazu, nur kein extremes Weitwinkelokular nehmen, oder eins mit zu großer Vergrößerung), ist alles einwandfrei: Viel Spass noch. Hat man kleine Kometenschweife, so muss die Justage des HS noch einmal durchgeführt werden. Nur mit Stern und den HS-Justage schrauben ist das eine ganz schöne Fummelei, aber sollte gemacht werden. Am besten zu zweit.

 


 

Die "Barlowed Laser Methode"

Wenn ihr eine Barlow-Linse, oder ein Okular mit einem abnehmbaren Barlow-Element, und einen Justierlaser mit Filtergewinde habt, so könnt ihr diese Methode benutzen. Diese ist dann etwas genauer als die normale. Auch wenn die Barlow den Laser diffuser macht :)

Das Barlowelement der Barlowlinse wird von der Steckhülse geschraubt, oder das des Okulars vom Okular, und an den Laser geschraubt.

Dann wird Schritt 5 der Anleitung oben durchgeführt.

Ihr seht jetzt nur keinen Punkt auf der Mattscheibe, sondern einen Kreis. Das ist der Lochverstärker auf dem HS, also die Mittenmarkierung. Diese braucht ihr nur so auf die Mattscheibe zu bringen, dass er das Austrittsloch des Lasers schön umschließt, fertig.

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Justage eines Refraktors

Denkbar einfach. Wenn der Refraktor überhaupt justagefähig ist, so hat man drei kleine Justageschrauben, an der Linsenhalterung vorne. Meistens kleine Madenschrauben.

Nehmt tagsüber euer Justageokular, Fadenkreuz muss nicht sein, gibt aber einen Teil Orientierung. Nachts ein mittleres Okular und einen Stern. Justiert beim Stern so lange, bis die Beugungsscheibchen schön rund sind, mit zwei der drei Schrauben.

Beim Justageokular geht ihr ähnlich vor, das Bild ist auch ähnlich wenn ihr fokussiert und defokussiert...

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