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Stehende Kamera 1 - Widefield & Sternbilder

Endlich geht es ans Fotografieren, nachdem wir so viel Theorie und Justierungen hatten. Und obwohl es hier um Bilder geht, so werdet ihr hier die wenigsten finden :)

Zuallererst müsst ihr einen geeigneten Platz zum fotografieren finden. Aus der Stadt mit ihrem ganzen künslichen Licht heraus zu fotografieren ist zwar auch möglich, jedoch nicht ratsam. Da der Himmel durch die Beleuchtung unnötig aufgehellt wird, das nennt man Lichtverschmutzung.

Versucht etwa 50 km von Großstädten wegzukommen, je kleiner die Stadt, desto näher kann man dran bleiben.

Da oft der Himmel Richtung Süden am interessantesten ist, ist es auch möglich einfach an den Südrand der Stadt zu fahren. Wenn ihr den Norden des Himmels fotografieren wollt, dann natürlich in die andere Richtung fahren :)

Noch ein Punkt, ihr wollt ein bestimmtes Objekt fotografieren. Dieses Objekt wandert übers Jahr hinweg über den Himmel (dank der Umlaufbahn unserer Heimat um die Sonne) und innerhalb einer Nacht auch (dank unserer Eigenrotation). Versucht wenn möglich dieses Objekt zu fotografieren, wenn es am höchsten steht. Optimum ist da natürlich der Zenit, und das Schlechteste ist direkt über dem Horizont.

Das liegt einmal an der Wärmestrahlung der Erde, was Seeing verursacht (schlechte Sicht, in astronomischer Hinsicht) und an der Lichtverschmutzung. Egal wo ihr in Deutschland seid, um euch herum ist immer etwas Licht. Seid ihr an einem dunklen Ort, umringt von Ortschaften die über die Anbindung ans Stromnetz verfügen ( :) ) dann habt ihr im Zenit immer den dunkelsten Himmel.

 

Habt ihr so einen Platz gefunden, so stellt dort euer Stativ auf. Sorgt dafür, dass während der Belichtung kein zusätzliches Licht hinzukommt, durch euch, weil ihr eine Lampe anmacht, oder so :)

Auf das Stativ kommt die Kamera, ich erkläre nun mal die Einstellungen für eine digitale Spiegelreflex-Kamera. Habt ihr eine solche nicht, so versucht mit eurer digitalen Kompakten, oder eurer normalen Spiegelreflex so nah wie möglich an diese Einstellungen ran zu kommen. (z.B. ersetzt ihr bei einer analogen Kamera den Begriff ISO durch ASA, und wendet das auf den Film an :)

Was ihr nun noch machen müsst ist: Licht sammeln. Also Informationen auf den Chip/Film bannen.

Wie ihr das am besten macht erkläre ich euch hier, wie man weiter mit den Bildern verfährt dann in den Bildbearbeitungskapiteln. Zu den Fachbegriffen wie Blende, Objektiv, Brennweite usw. schaut mal in mein Lexikon, falls sie euch nicht geläufig sind.

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Jetzt geht es um das Thema Sternbilder & Widefield (weites Feld, also viel Himmel auf den Chip bannen).

Entweder ihr stellt euer Zoomobjektiv auf eine Brennweite ein in die der von euch gewählte Ausschnitt des Himmels passt, oder ihr nehmt die passende Festbrennweite. Je kleiner die Anfangsblende dieses Objektives ist, desto mehr Licht pro Zeit kann gesammelt werden.

Die Kamera stellt ihr passend zum Zweck (Licht sammeln) ein. Also lange Belichtungszeit, und hohe ISO. Beides erhöht das Rauschen und lange Belichtungszeiten sorgen dafür dass die scheinbare Bewegung der Sterne im Bild sichtbar wird. Aus Punkten werden Striche (das ist im nächsten Kapitel gewünscht, hier nicht).

Stellt in der Kamera die längste Belichtungszeit ein, die Sterne noch punktförmig erscheinen lässt. Das könnt ihr nur durch Test-Aufnahmen schaffen. Denn in der Nähe des Himmelsnordpols "bewegen" die Sterne sich lansamer als am Himmelsäquator. Als Anhaltspunkt, diese kleine Liste, daran könnt ihr euch Orientieren, und von da aus probieren.

Brennweite :
max. Belichtungszeit
18 mm
35 s
24 mm
30 s
35 mm
20 s
50 mm
10 s
100 mm
3 s
200 mm
1 s

Wenn eure Kamera nur bis 30 Sekunden geht, jedoch über eine Bulb-Funktion verfügt, so könnt ihr länger belichten. Und zwar so lange wie ihr den Auslöser durchdrückt. Den Fernauslöser natürlich. Alternativ ein Selbstauslöser.

Das Rauschen kann man durch Stacken vermindern, dazu in der Bildbearbeitung mehr.

Reichen euch die Belichtungszeiten nicht aus, und der Himmel bleibt euch zu dunkel, so nutzt die maximale Zeit aus die ihr belichten könnt, und macht mehr Bilder, das kann man dann addieren, nennt man Stacken (na, kommt euch bekannt vor das Wort? :).

Macht ein paar Testfotos, wird der Himmel zu hell, oder die Sterne am Rand werden nicht so scharf wie die in der Mitte, so blendet etwas ab.

Zur ISO: Nehmt nicht die volle ISO-Stufe die eure Kamera hergibt. Bei DSLR Kameras ist das Rauschen zwar niedriger als bei Kompakten (da kann man die ISO fast gar nicht anheben, ohne zu viel Rauschen zu bekommen) aber es gibt so etwas wie ein Signal/Rausch Verhältnis. Dafür gibt es auch keine Formeln, zumindest keine allgemein gültigen. Jede Kamera rauscht anders. Auch da müsst ihr probieren. Moderne DSLR's gehen bis ISO 1600, 3200 oder noch höher. Ich empfehle einen Wert von 800 oder bis 400 runter.

Bei Belichtungszeiten unter einer Minute braucht ihr noch keine Darkframes (Aufnahmen mit Deckel auf dem Objektiv um das Rauschen und die Fehlerpixel solo zu haben, dazu später mehr) einfach ein paar Aufnahmen machen.

Reichen euch die Informationen die ihr habt, so könnt ihr in die Bearbeitung gehen. Wenn nicht macht ein paar Bilder mehr. Etwa 50 sind ganz gut zum stacken.

Wenn ihr das nicht wollt (Stacken) so springt zum Kapitel "Nachgeführte Kamera". Ich empfehle euch aber hier zu bleiben, und in meiner Reihenfolge zu arbeiten.

Den Fokus finden: Stellt auf Autofokus und visiert eine weit entfernte Lichtquelle an, Mond oder Straßenlaterne. Dann stellt ihr auf manuellen Fokus um. Oder ihr macht es gleich manuell.

Macht einen Probeschuß und schaut ihn euch auf dem Display an (besser noch auf dem Laptop den ihr dabei habt). Dreht etwas am Fokusring, und macht noch einen Schuß, vergleichen, und dementsprechend reagieren. Wird es besser dreht weiter, wird es schlechter dann zurück. Bis ihr den bestmöglichen Fokuspunkt habt.

Bei Kameras mit Live-View ist die Sache einfacher. Bei meiner 40D mach ich den Live-Bildmodus an, gehe auf 10fache Vergrößerung, und fokussiere dann. Das passt dann :)

Jetzt könnt ihr loslegen. Macht viele viele Bilder, oder nur eins, wenn euch das reicht. Bei den Brennweiten über die wir hier reden, da braucht ihr bei nur 50 Bildern noch nicht mit dem Himmel mitwandern, ein kleiner Rand Ausschuss ist zwar dann durch das Stacken übrig, aber im Zentrum wird es passen. (Also wählt den Ausschnitt nicht zu knapp)

Je länger die Brennweite, umso weniger Bilder könnt ihr am Stück machen, denn das zu fotografierende Objekt wandert natürlich aus dem Bild. Beim stacken ist das recht unproblematisch, denn es legt die Sterne automatisch wieder übereinander, aber wenn der Sternhaufen, oder die Galaxie aus dem Bild raus ist, dann kann das Programm auch nichts mehr machen :) Die Bereiche die in allen Bildern zu sehen sind, werden auch gut gestackt, alles was aus dem Bild wandert, befindet sich dann in den Randbereichen, wo weniger Bilder übereinander liegen.

Hier sieht man was ich meine, 10 Ebenen mit 10 % Deckkraft, und sie "wandern" von rechts nach links, wie das Sternbild (o. ä.) was ihr fotografiert habt)


Ihr seht, nur das wo es sich komplett überlagert ist der Ton voll.

 

Versucht zwischen den Bildern nicht allzuviel Zeit vergehen zu lassen. Und dann ab damit nach Hause. Und weiter zum Kapitel Bildbearbeitung.

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Stehende Kamera 1 - Strichspuren

Geht genauso vor wie oben bei den Sternbildern und Widefield, jedoch könnt ihr jetzt so lange belichten wie die Bildqualität es zulässt. Und ihr dürft so gut wie gar keine Pausen mehr machen.

Reichen euch die Strichspuren die eine Aufnahme erzeugt, so macht diese Aufnahme, und geht dann nach Hause, oder macht eine andere.

Wenn nicht, so gibt es auch hier eine Stacking-Lösung, um noch längere Striche zu bekommen. Dazu mehr in der passenden Bildbearbeitungssektion.

Kleiner Schönheitstipp: Versucht etwas Horizont mit einzufangen, damit hat der Betrachter einen festen Punkt fürs Auge, am besten etwas Horizont, und einen schmalen Baum, der dann noch im goldenen Schnitt des Bildes liegt (siehe Lexikon). Das ist dann das Optimum.

Das maximale Optimum (schone Wortgruppe). Ist oben genannte Situation, und Polaris im selben Bild, denn um ihn dreht sich der Himmel scheinbar.

Probiert etwas mit den Einstellungen, und versucht das beste draus zu machen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und die optimalen Einstellungen findet man nur durch Try & Error heraus. Also probieren und bei Fehlern verbessern.

Mit der Zeit bekommt ihr Erfahrung, und ein Gespür dafür was möglich, bzw. sinnvoll ist. Und ich kann euch auch nicht alles haarklein vorbeten :D

Das wars schon zum Thema stehende Kamera.

Ab zur Bildbearbeitung. Und später probieren wir mal die Kamera nachzuführen, im passenden Kapitel.

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