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Nachgeführte Kamera 1 - Widefield & Sternbilder

 

Noch werden wir nicht durchs Teleskop fotografieren, jetzt benutzen wir ein Teleskop als Leitrohr, also zur Kontrolle der Nachführung.

Ihr wisst ja dass der Himmel sich scheinbar dreht, das liegt daran, dass der Ball auf dem wir uns befinden (Erde) sich dreht. In etwa eine Umdrehung am Tag. :)

Um das auszugleichen gibt es Montierungen die parallaktisch nachführen, sogenannte parallaktische Montierungen, oder auch "deutsche Montierung".

Es gibt einige Selbstbauprojekte die auch eine Nachführung durchführen, Barndoor-Montierungen, oder Plattformen für die Dobson-Teleskope (siehe Montierungen). Selbstbau ist zwar billiger, aber auch nicht wirklich was für Grobmotoriker, oder Werkzeugspastiker :) Also lassen wir das mal aus.

Die preiswerteste Lösung, ist auch nicht immer die Beste, so ist z.B. eine Montierung der untersten Preisklasse (EQ1, EQ2, Astro 3) zwar auch für Astrofotografie geeignet, jedoch weder sehr genau, noch komfortabel, und für die meisten Geräte einfach zu schwach.

Ich hoffe ihr habt den Abschnitt über die stehende Kamera gelesen, das ist Vorraussetzung für diesen hier :)

Also, als erstes stellt ihr eure Montierung auf. (Schaut mal in die empfohlenen Sets, dort findet ihr Infos womit man gut einsteigen kann, die Kombi aus EQ3, Leitrohr und Kamera ist für diese Anwendung hier sehr gut geeignet)

Montierung schön einnorden (Polsucher, Scheiner (siehe passenden Abschnitt)).

Auf die Monti kommt ein Leitrohr mit einem Fadenkreuzokular, und natürlich die Kamera. Wie ihr die Kamera anbaut könnt ihr bei den empfohlenen Sets, unter "Nachgeführte Kamera 1" lesen.

Diese Technik nennt man Piggy Back. Eine aufgesattelte Kamera, und ein Leitrohr auf einer Montierung.

So, die Monti kenn nun den Nordpol, und jetzt richten wir die Kamera aus, und das Leitrohr.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, je nach eurem Set. Entweder habt ihr ein fest montiertes Leitrohr, und eine bewegbare Kamera, oder eine feste Kamera und ein Leitrohr in justierbaren Schellen (auch hier siehe Sets, dort findet ihr auch Zubehör).

Ein von beiden sollte auf jeden Fall beweglich sein, um den Leitstern zu finden.

Also, beide Geräte (Leitrohr und Cam) zeigen etwa in die selbe Richtung. Und werden jetzt grob auf das Sternbild ausgerichtet (oder den Himmelsbereich).

Habt ihr ein festes Leitrohr, und eine bewegliche Kamera, z.B. mit Kugelkopf. So sucht jetzt einen Leitstern, der dann schön in eurem Fadenkreuz des Okulars sitzt. Nun stellt die Kamera genau auf den Ausschnitt ein, den ihr fotografieren wollt.

Habt ihr es anders herum, so stellt erst die Kamera aufs Ziel, und dann wird der Leitstern gesucht.

So alles ist ausgerichtet. Jetzt wird fotografiert. Jetzt müsst ihr die Nachführung einschalten, im Idealfall ist die motorisiert, aber bei diesen Brennweiten im Widefieldbereich kann man es noch mit der Hand machen.

Wie bei der stehenden Kamera werden jetzt Bilder gemacht. Bei nachgeführten Techniken könnt ihr natürlich jetzt viel länger belichten. Also beschränkt uns nicht mehr die Himmelsbewegung, sondern die Himmelshelligkeit. Wenn ihr aus der Stadt heraus, mit ISO 800 und niedriger Blendenzahl ne halbe Stunde belichtet, so habt ihr ein weißes Bild, was ihr gleich wieder löschen könnt :)

Findet heraus was die längste sinnvolle Belichtung ist, ohne das das Bild zu hell wird. (wenn ihr ein paar Bilder mit stehender Kamera gemacht habt, und ein paar Bearbeitungen durchgeführt habt, so bekommt ihr ein gefühl dafür).

Mit der ISO könnt ihr jetzt auch ein wenig runter gehen, wenn ihr genug Zeit habt. ISO 400 sollte erst einmal ein schöner Kompromiss sein, aus Rauschverhalten und Belichtungszeit. Je nach Blende ist das aber auch wieder unterschiedlich, ums probieren kommt ihr nicht rum.

Wichtig ist jetzt dass ihr die Nachführung kontrolliert, wenn ihr keinen Motor dran habt, oder aufs Scheinern verzichtet, so hängt ihr sowieso die ganze Zeit am Fadenkreuzokular. Wenn eure Monti ordentlich steht, und die Motoren arbeiten, so braucht ihr nur ab und zu die Nachführung kontrollieren, und ggf. korrigieren.

Um das Rauschen zu reduzieren empfehlen sich auch hier mehrere Aufnahmen, die man stackt.

Bis auf die Nachführung und deren Kontrolle ist es also fast mit der stehenden Kamera identisch. Auch die Bearbeitung der Bilder ist ähnlich. Aber so weit sind wir ja noch nicht :)

 


 

Nachgeführte Kamera 2 - Einzelne (kleine) Objekte

Der nächste Schritt in der Astrofotografie sind einzelne Objekte...

Die sucht ihr euch heraus, und nehmt einfach eine passende Brennweite aus eurem Objektiv-Koffer.

Der Rest ist wie oben, nur dass es diesmal ohne Motor etwas schwer wird, denn ihr müsst je länger die Brennweite wird genauer nachführen. :) (Schon fertig ;)

Reichen eure Objektive nicht mehr aus, oder der Zoom eurer Digitalen ist am Ende, so müsst ihr durchs Teleskop fotografieren, dazu mehr im nächsten Kapitel.

Noch etwas wichtiges zur Nachführung.

Es gibt da diese "einarmigen Banditen" (z.B. NexStar Geräte, siehe "Nachgeführte Kamera 4" in den Sets) Die kleineren Geräte davon können zwar auch das GoTo (automatische Objektpositionierung) und nachführen tun sie auch. Leider mit beiden Motoren die sie haben.

Und das ist das Problem, sie sind nur azimutal, achtet beim Kauf also darauf, dass sie auch parallaktisch betrieben werden können, entweder durch die Gewindestange der alten NexStar, oder die komplette Polhöhenwiege der neuen. Das gilt für alle Gabelmontierungen. Die "Basisplatte" wird dann schräg gestellt, bis auf Polhöhe, so wird die Achse um die sich die Monti sonst horizontal dreht zur Polachse. So wird eine parallaktische Nachführung möglich.

Ohne diese Polhöhenverstellung können ein paar zwar auch nachführen, aber nur der anvisierte Stern wird dann im Zentrum gehalten, um diesen dreht sich der Himmel dann scheinbar. Also habt ihr zum Bildfeldrand eine Bilddrehung drin.