banner

Bildbearbeitung - Deep Sky & Widefield

 

Für alle Bilder die nicht aus einem Video kommen (Webcam, Camcorder) und für alle die nicht unser Sonnensystem zeigen ist dieser Abschnitt.

Zuerst einmal zu ein paar Begriffen. Wenn ihr Bilder gemacht habt, so habt ihr sogenannte Lightframes, das sind die Bilder die die Informationen enthalten, Sterne, Nebel usw. Es gibt aber noch ein paar andere Bilder, die euch beim Entwickeln des fertigen Bildes helfen können, das sind folgende:

Darkframes - Sollten die selben Werte haben wie die Lightframes (ISO, Belichtungszeit) und vor allem sollten sie die selbe Kameratemperatur als Grundlage haben. Da je nach Aussentemperatur die Kamera unterschiedlich rauscht, und unterschiedlich Hotpixel o.ä. erzeugt. Am besten macht ihr die Darkframes direkt nach den eigentlichen Bildern (Lightframes). Einfach das Objektiv/Teleskop vorne abdecken, also für absolute Dunkelheit sorgen, und noch ein paar Bilder machen. 10 bis 20 sind sinnvoll.

Bias Frames (Auch Offset Frames genannt) - Die Kamera erzeugt beim Auslesen der Chipdaten auch ein Rauschen. zusätzlich zum normalen Chiprauschen. Um dieses aufzuzeichnen (zum späteren herausrechnen) braucht man die Bias Frames. Diese sind sogar leichter zu machen als die Darkframes. Die ISO Zahl sollte denen der Lightframes entsprechen, die Temperatur spielt keine Rolle. Stellt die Kamera auf die kürzest mögliche Belichtungszeit, und sorgt wieder für Lichtlosigkeit (Abdecken). Jetzt Auslösen. Auch hier genügen im Normalfall 10 bis 20 Aufnahmen.

Flat Frames - Um die Vignettierung des Objektives aufzunehmen, und eventuelle Schmutzstellen auf dem Objektiv/Sensor. Hierzu solltet ihr für Licht sorgen :) Wichtig ist, nachdem ihr die Lightframes (und ggf. die anderen Frames) gemacht habt, so nehmt die Kamera nicht vom Teleskop/Objektiv ab, und ändert auch nicht den Fokus. Es gibt eine Menge Hilfsmittel für diese Flat Frames, z.B. eine Flatbox (Milchglas von hinten beleuchtet) usw. die einfachste Methode ist die T-Shirt-Methode. Nehmt ein (SAUBERES) weißes T-Shirt oder anderen Stoff, und spannt ihn faltenlos vor das Objektiv/Teleskop, dann fotografiert ihr gegen etwas helles (Blitz, Weißes Licht, Himmel (nicht mehr nachts, müsst ihr den Setup stehen lassen wenn ihr könnt)). Das T-Shirt sollte nur gleichmäßig leuchten. Benutzt dafür die Zeitautomatik eurer Kamera (AV-Mode bei Canon). Die ISO-Zahl sollte wieder den Lightframes entsprechen, Temperatur ist egal. Auch hier wieder 10 - 20.

Bei kurzen Belichtungszeiten, und zahlenmäßig wenigen Bildern sind alle diese extra Frames fast nicht nötig, aber um so länger ihr belichtet, umso wichtiger werden sie. Am wichtigsten sind dann darks und flats, aber wenn ihr alle Sorten benutzt, so kann es nicht schaden :)

Jetzt habt ihr also eine Speicherkarte voller Bilder. Die nehmt ihr mit nach Hause, und setzt euch an den Rechner.

An alle die in RAW fotografieren: Entwickelt eure Bilder in JPEGs oder (wenn ihr genug Rechnerplatz und -power habt) in Tiffs. Das gleich vorgestellte Programm kann zwar auch RAW's verarbeiten, das wird jedoch etwas komplizierter, und wir wollen hier Einsteigergerecht bleiben. Kuckt euch die Hilfe des Programms an, wenn ihr in RAW arbeiten wollt, da wird alles schön erklärt.

Alle anderen sollten jetzt ihre Bilder sortieren, falls Unscharfe oder Verwackelte dabei sind, raus damit. Alle anderen in passende Ordner, ich empfehle für jedes Projekt einen eignen Ordner, mit Unterordnern für die Frame-Typen.

Jetzt öffnet ihr Deep Sky Stacker. Das ist ein kostenloses Programm, welches hervorragende Arbeit leistet, und hier herunter geladen werden kann: DSS-Home.

Aber erst schauen wir uns mal so einen Lightframe an:

 

Dies ist ein Lightframe(-Ausschnitt), also die Version mit Bildinfos. Es rauscht, die Sterne sind knapp an Punkten vorbei, und viel erkennen kann man auch nicht. Ernüchternd, aber wartet mal ab was draus wird.

Und das ist so ein Darkframe(-Ausschnitt), wenn man den etwas heller zieht, erkennt man sehr gut das Rauschen, und das kleine Rote da ist ein solcher Hotpixel.

Jetzt öffnen wir den DeepSkyStacker. Wir markieren alle Lightframes im Explorer und ziehen die ins Fenster (in den hier roten Bereich):

 

Altenativ auch über den passenden Dialog "Lightframes öffnen" (open Lightframes in der engl. Vers.), "Darkframes..." usw.

Macht ihr es nach der zweiten Methode, so müsst ihr dann auf "Alle auswählen" klicken, damit alle Bilder einen Haken haben, macht ihr es per Drag & Drop, so werden sie automatisch markiert.

Bei Drag & Drop kommt ein neues Fenster, was uns fragt:

 

Hier klicken wir auf OK. Bei den Darkframes, die wir nun auch mit reinziehen, wählen wir natürlich Darkframes und dann auf OK.

Für die anderen Fram-Typen das selbe.

Ihr seht: immer nur einen Typen reinziehen. Davon aber so viele wie ihr wollt.

Die Bilder werden gleich markiert (Häkchen davor) und wir klicken jetzt auf "register checked pictures", dann kommt wieder ein Dialog (in der Deutschen Version dann "Ausgewählte Bilder registrieren"):

 

Hier stellt ihr beim ersten Mal alles so ein wie auf dem Bild zu sehen, und klickt auf OK. (Bei der neuesten Version gibt es einen Button mit empfohlenen Einstellungen, die könnt ihr dann auch beherzigen, die Hilfe-Dateien sagen euch was da empfohlen wird). Später könnt ihr euch durch die Hilfedateien lesen, und mehr über das Programm erfahren, um es besser zu nutzen. Das Programm rattert jetzt los, und werkelt erstmal ein paar Minuten, je nach Bildmenge auch etwas länger. Wenn es fertig ist, präsentiert es uns das fertige Bild, was wir nun speichern, als 16 bit TIFF (später könnt ihr euch mit der 32er Version noch abgeben, was aber wieder etwas mehr Übung verlangt).

Das fertig überlagerte Bild öffnet ihr jetzt mit Photoshop (oder anderes Grafikprogramm welches die folgenden Funktionen beherrscht).

 

So wie auf diesem Ausschnitt sieht das ganze Bild jetzt aus. Es sind ein paar mehr Sterne zu sehen als auf den Einzel-Frames, und das Rauschen ist fast weg, dafür ist der Himmel aber schön gleichmäßig grau. Das wollen wir jetzt ändern.

Als erstes nehmt ihr mal die Pipette:


So sieht es nach einem Rechtsklick auf das Werkzeug aus, wir nehmen das obere, die normale Pipette, aber merkt euch auch schon mal das Zweite, die Farbaufnahme werden wir noch brauchen. Oben im Werkzeugmenü klickt ihr mal auf "Aufnahmebereich" und geht dort auf 5 x 5 Pixel.


Wir klicken mit der Pipette in einen sternenlosen Bereich des Bildes. Jetzt haben wir den Hintergrund schonmal als Farbe.

Im Ebenenfenster drücken wir auf "neue Ebene" (1) und füllen diese mit dem Farbeimer. Jetzt haben wir ein Bild vor augen was nur aus diesem Grau besteht. Klickt mal auf den Ebenenmodus (2) und wählt hier "Differenz", die Ebenendeckkraft (3) setzen wir erstmal auf 80%.

Jetzt nehmen wir die Zweite Pipette (Farbaufnahmewerkzeug) und setzen in zwei bis 4 sternenlehre Bereiche Messpunkte, einfach reinklicken, mit ALT-Taste gedrückt und nochmal anklicken (da erscheint eine kleine Schere) könnt ihr die Punkte wieder löschen, wenn ihr sie falsch gesetzt habt, oder nicht mehr braucht.

Im Infofenster (Bild oben, roter Bereich) seht ihr nun die Farbwerte der Messpunkte, Zieht jetzt die Ebenendeckkraft so weit hoch/runter bis die Zahlen sich alle so um die 10 einpendeln. Wie oben auf dem Screenshot.

Wenn ihr einen Ausreisser habt, also einen Farbstich (R/G/B = 19, 9, 10 - hier ist der rote Kanal mit 19 definitiv zu hoch, bei vielen Digicams ist ein stärkeres Rotrauschen zu sehen, als die restlichen Farben rauschen) dann vergleicht mal mit den anderen Werkzeugen, ist es da genauso, und das Bild hat sogar einen Stich in die Richtung, dann könnt ihr das über die Tonwertpriorität ändern. Ihr findet sie bei "Bild - Anpassungen"

Hier wählt ihr oben den betreffenden Kanal, und zieht den linken Regler so weit nach rechts, bis die Zahlen in den Messwerkzeugen wieder passen.
Jetzt ist der Hintergrund schon mal schön dunkel, aber die Sterne sind noch etwas flau. Um das zu beheben gibt es mehrere Möglichkeiten, die gebräuchlichste ist die mittels der Gradationskurven (auch wieder bei "Bild - Anpassungen") zieht einfach den oberen Bereich der Gerade nach links, so das es in etwa so aussieht wie hier:


Wie weit ihr ziehen müsst hängt ganz vom Bild ab, zieht soweit das es gut aussieht. :)

Einen ähnlichen Effekt hat der Punkt "Tiefen/Lichter" im selben Menü, wodurch das Rauschen aber wieder extrem steigt.

So, eigentlich sind wir jetzt fertig, jetzt noch etwas rumspielen, ggf. entrauschen, scharf zeichnen, oder sonstiges. Probiert rum, mit STRG + Z geht es immer einen Schritt zurück, also übt, übt, übt.

Kleine Anmerkung: ihr habt einen Nebel fotografiert, etwa den großen Orion Nebel, und der ist bei euch weiss bis rot, dann ist was falsch, er müsste zu einem guten Teil ins Blaue gehen. Wenn ihr dieses oder ein ähnliches Farbproblem habt, dann nehmt das Lasso (siehe Auswahl-Workshop) mit einer relativ weichen Kante und ummalt den Nebel, oder den Bereich der Farblich nicht passt. Dann nochmal die Gradationskurven auf, und dort wo RGB steht rein klicken, dann könnt ihr wie vorhin die einzelnen Kanäle wählen und beeinflussen, nehmt rot etwas raus (gerade nach rechts ziehen) und blau etwas rein, dann passt das :)

Es gibt noch einige dieser Tipps, die alle mit der Erfahrung, der Übung und wildem rumprobieren kommen. Macht einfach los :)


Hier nochmal ein Rohbild


Und das mögliche Ergebnis

Damit wären wir nun eigentlich schon am Ende der Bildbearbeitung für Deep Sky...

Aber ich habe euch eine neue Bildbearbeitungstechnik versprochen. Wo? In der Einleitung, die habt ihr doch gelesen, oder?

Naja, hier nun der neue Bearbeitungsschritt. Habt ihr ein HDR-Programm, oder ein Plugin welches ein Tonemapping kann? (Was sind denn das schon wieder für Begriffe? Schaut mal hier: Mein HDR-Workshop)

Wenn ihr ein solches Tool habt, so könnt ihr das fertig gestackte Bild erst einmal einem Tonemapping unterziehen, bevor ihr es in Photoshop weiter verarbeitet. Das kann unter Umständen zu um einiges besseren Bildern führen.

Hier mal der oben gezeigte H&Chi mit dem Tonemapping-Schritt:

Lohnt nicht bei jedem Bild, und versaut auch so manches (also nichts überschreiben beim speichern!) aber manchmal bringt es etwas.

Einstellungen kann ich euch keine sagen, da müsst ihr nach Sicht gehen, für jedes Bild kann das unterschiedlich sein.

Diesen Schritt könnt ihr alternativ auch mal versuchen nachdem ihr den Himmel verdunkelt habt, durch die neue Ebene in der Differenz, und dem Vereinen der Ebenen.

Manchmal reicht er vollkommen aus, weil der Himmel dunkel genug wird, und die Objekte gut genug rauskommen, das kommt aufs Ausgangsmaterial an, und wie gut man das Tonemapping beherrscht. Der H&Chi oben hat nur das Stacken, und das Tonemapping hinter sich, und dann in Photoshop nur noch schön ausgeschnitten, und leicht unscharf maskiert.

Es gibt weit mehr Programme und Arbeitsmethoden als die hier gezeigten, aber als Basis sollte der Workshop erst einmal reichen. Das meiste lernt man eh in einer Gemeinschaft (Sternwarte, Astrostammtische, Foren usw.)