Panorama (mit QT VR)

Hallo Fotofreunde!

Heute möchte ich euch mal an die Panorama-Fotografie heranführen, von der Aufnahme bis zur druckfähigen Ausgabe, oder sogar als Filmchen oder Webseiten-Anwendung zum drin bewegen.

1. Begriffe
2. Benötigte Materialien, in verschiedenen Situationen
3. Der Panoramakopf
(Nodalpunktadapter)
4. Die Fotos schiessen
5. Die Nachbearbeitung in verschiedenen Programmen für den Druck oder als einfaches Bild für die Webseite
6. Die Bearbeitungsschritte für QTVR, Zoomify oder Flash
7. Ergebnisse
8. Softwareliste mit Herstellerlinks (Auswahl)


1. Begriffe

Stitchen - das zusammenfügen von Einzelbildern zu Panoramen (entweder automatisch per spezieller Software, oder "per Hand" in einem normalen Grafikprogramm

QTVR - QuickTime Virtual Reality, ein Standard im Web, mit dem normalen Quicktime-Plugin (eigentlich für Filme und andere Medien gedacht) können Panoramen "begehbar" angezeigt werden können (weiter unten bei Punkt 6 wird das mit Beispiel gezeigt)

Flash - Mittlerweile auch ein Webstandard, ganze Webseiten, oder Filmchen können so komfortabel und grafisch ansprechend gezeigt werden, und für uns ganz wichtig, Panoramen auch

Zoomify - Endlich als Standard-Ausgabeformat in Photoshop implementiert (ab CS3), ein Tool um große Bilder auch im Web anzeigen zu lassen, hierbei wird (ähnlich wie bei Google Earth oder Maps) immer nur der vergrößerte Teil des Bildes aus dem Web nachgeladen, welches gerade betrachtet wird. Diese Technik stelle ich euch hier vor, und die müsst ihr nicht nur für Panoramen benutzen.

Panoramakopf / Nodalpunktadapter - Nodalpunktadapter hat sich eingebürgert, wahrscheinlich weil es wichtiger klingt, ganz richtig ist es nicht :) Wir verwenden Mal lieber Panoramakopf. Mit diesem speziellen Kopf dreht ihr die Kamera bei der Aufnahmeserie nicht um das Stativgewinde, wie bei normalen Stativköpfen, sondern um das optische Zentrum des Objektivs, warum das wichtig ist erfahrt ihr in Punkt 2

 

2. Benötigte (/ empfohlene) Materialien

Was ihr auf jeden Fall braucht:

- Digitalkamera... Im Notfall reicht das komplett aus, ja, auch aus der freien Hand kann man Panoramen fotografieren, es ist jedoch nicht ratsam, sicherer wäres es wie folgt:

Was ihr wirklich nehmen solltet:

- Kamera (bei einer Spiegelreflexkamera und längeren Brennweiten empfiehlt sich die Spiegelvorauslösung, kuckt dazu mal ins Handbuch)
- Stativ
- Fernauslöser
- Stativkopf je nach Situation (im nächsten Absatz mehr dazu), einzige Anforderung: er sollte sich horizontal gut drehen lassen, ohne dass die Kamera nach oben/unten kippt, also ein Neigekopf, oder ein Kugelkopf mit Panorama-Funktion (eine Arretierung die nur eine Drehung in der Horizontalen zulässt)

 


3. Der Panoramakopf

Jetzt zum speziellen Panoramakopf (finden könnt ihr sowas im Netz unter den Namen Panoramakopf, Panoramaneiger, Panoramaadapter, Nodalpunktadapter usw... ich zeige euch hier alles am Beispiel des "Panosaurus" ein sehr guter Kopf, googelt einfach nach dem Namen um mehr zu erfahren)

In welchen Situationen brauche ich einen Panoramakopf, und in welchen nicht?

Kleine Liste:

Situation
Panoramakopf nötig?
(Landschafts-)Panorama wo alles in ausreichender/gleicher Entfernung zur Kamera steht
Nein
Innenraumpanorama
Ja
Panorama mit verschiedenen Tiefen (z.B. Berge im Hintergrund und Bäume nur 10 m entfernt)
Ja

Warum ist das so?

Ganz einfach erklärt...

Nehmt mal einen Stift, oder einen Finger und haltet ihn so, dass eine Senkrechte Linie irgendwo um euch (in 2 oder mehr Metern Entfernung) genau hinter dem Finger liegt (senkrecht, also eher steht). Dann dreht mal euren Kopf. Ihr seht die Linen verschieben sich zueinander. Jetzt bewegt mal nur eure Augen und kuckt was dann passiert. Die zwei Linien (Hinten die gesuchte, und der Stift im Vordergrund) bleiben genau aufeinander.

Bei der zweiten Variante habt ihr eure Augen um deren optisches Zentrum bewegt, bei der ersten nicht, so einfach ist das...

Wenn ihr das jetzt auf eine Bilderserie anwendet, so könnt ihr euch vorstellen was ein Panoramaprogramm aus so verschobenen Linien macht... Es entstehen typische Stitchingfehler, die sich in halb transparenten Objekten bemerkbar machen.

Denn auf einem Bild mag (bleiben wir bei dem Beispiel) der Finger vor der Türkante stehen, aber auf dem nächsten lugt die Türkante schon hinter dem Finger hervor. Klar dass das nicht klappt. Und genau da setzt der Nodalpunktadapter ein.

Hier seht ihr die Achse um die sich die Kamera dreht, wenn ein Panoramakopf eingesetzt wird (grün) und die Achse um die sie sich drehen würde ohne diesen Kopf (rot).

Wie ihr den Kopf aufstellt und einrichtet entnehmt ihr bitte der Anleitung die (meistens) beiliegt, wenn ihr den selber bauen wollt, dann habt ihr euch sicher schon genug eingelesen, und wisst bescheid... zur Not schreibt mir eine Mail, ich beantworte eure Fragen gern.

 

Und so sieht der fotografische Unterschied aus, oben zwei Bilder mit gedrehter Kamera ohne Panorama Kopf, und darunter ein Vergleich mit einem solchen Kopf.

Bildervergleich mit/ohne Panosaurus

 

4. Die Fotos machen

Die Fotos sollten im Hochformat gemacht werden (die 360° Drehung ist einfach, und kann schneller durchgeführt werden als eine nach oben/unten versetzte) damit man mit einer Umdrehung mehr drauf bekommt... 360°-Aufnahmen bei einer bestimmten Brennweite haben immer sie selbe Pixelbreite, bei Hochkant braucht man da zwar mehr Bilder um ringsrum zu kommen, aber man hat gleich eine größere Höhe... (bei etwa 8 Megapixel-Kameras hat man dann ein 360°-Panorama mit 3450 Pixel Höhe, bei Querformat wird es genauso breit aber nur 2300 Pixel hoch)

Für die meisten Aufnahmen geht man einmal rum und ist fertig, soll es ein komplettes Kugelpanorama werden, dann muss man auch nach oben und unten schwenken, und dann nochmal die Runde rum...

 

 

Die Überlappungen der einzelnen Bilder sollten bei mindestens 30% liegen, damit man genug zum überlagern hat, im Panoramaprogramm.

Ob ihr nun eine lange Brennweite habt, und nur ein Panorama von einem Gebäude macht (um es möglichst groß auf der Platte zu haben, für größere Ausdrucke) oder mit einem Weitwinkel eine Landschaft aufnehmt. Macht genug Bilder, mit genügend Überlappungen, und der selben Brennweite.

Findet einen guten Kompromiss, was die Schärfeebene betrifft ( Tipp: Blende weit genug schließen um mehr Tiefenschärfe zu bekommen) und schaltet nach dem Scharfstellen auf die wichtigste Tiefenebene den Autofokus ab, oder benutzt gleich den manuellen.

Auch die Belichtung sollte immer gleich sein, also entweder im komplett manuellen Modus fotografieren, mit der passenden Lichteinstellung (ISO und Belichtungszeit) oder auf die Helligkeitskorrektur des Stitchingprogrammes vertrauen :)

Wenn ihr alles fertig aufgenommen habt könnt ihr abbauen, und einpacken... ab nach Hause an den Rechner für:

5. Die Nachbearbeitung in verschiedenen Programmen für den Druck oder als einfaches Bild für die Webseite

 

Jetzt haben wir einige Bilder die wir zu einem Panorama stitchen wollen. Fürs Beispiel hab ich mal 3 Bilder genommen, die ein Teilpanorama ergeben.

Wie ihr seht, überlappen diese Bilder sich. Die Überlappung sollte mindestens 30 % betragen, damit das Panoramaprogramm genug Punkte zum verbinden hat.

Im Prinzip besteht die Panoramaverarbeitung immer aus 4 Schritten:

a) Bilder laden
b) Bilder ausrichten
c) Panorama rendern
d) speichern


 

Da es einfach zu viele Programme gibt, halte ich das hier etwas allgemeiner. Als Beispielsoftware verwenden wir Panorama Factory, PTGui und Autopano.

Bei den ersten beiden führt euch ein leicht verständlicher Wizard durch die einzelnen Schritte. Bei Autopano braucht man so einen Wizard nicht, das Programm ist sehr einfach zu bediehnen.

a) Bilder laden

Wie gesagt, bei allen drei Programmen heissen die Punkte anders, und unterscheiden sich auch visuell.

Ich zeige euch hier die passenden Screenshots immer in der selben Reihenfolge, wie hier rechts zu sehen.

1. Panorama Factory

2. PTGui

3. Autopano

Bei den meisten Programmen funktioniert auch Drag&Drop, oder ihr benutzt die passenden Buttons, die ihr hier rechts seht.

Wenn die Bilder geladen sind, so werden sie euch alle der Reihe nach angezeigt. Bei der Panorama Factory und PTGui könnt ihr noch die Reihenfolge verändern oder die Bilder drehen.

Am besten wäre es natürlich ihr hab die Bilder gleich alphabetisch geordnet in der richtigen Reihenfolge und ordentlich gedreht vorliegen, siehe meine 3 Bilder oben.

Jetzt gehts weiter...

b) Bilder ausrichten

Jetzt gibt es schon den ersten Unterschied. Bei der Panorama Factory führt euch ein Wizard durch verschiedenste Einstellungen, bei den andern beiden ist es wieder nur ein Button.

Bei der Panorama Factory ist eine Einstellung ganz besonders Wichtig, nämlich wie das Panorma gerendert werden soll (Flat, Zylindrisch, Kugel) dazu im nächsten Schritt mehr. Deshalb jetzt keine Bilder mehr von der factory, es ist eh immer nur "Weiter" :)

Bei Autopano wird automatisch gleich gecheckt ob ein Panorma in der Bildergruppe ist, wenn man jedoch an den Detektionseinstellungen (der Button mit Schraubendreher und Schlüssel) so muss man den rechts gezeigten Button jedoch nochmal drücken.

Bei PTGui einfach drücken :)


PTGui

 


Autopano

c) Panorama rendern

Das Rendern geht in allen Programmen automatisch, wenn genügend passende Punktepaare zur Verfügung stehen, ist das nicht der Fall, so müsst ihr von Hand ran. Wie das in den jeweiligen Programmen geht erfahrt ihr in den jeweiligen Handbüchern, das würde den Rahmen hier sprengen.

Wichtig für das fertige Pano ist das Format. Wie oben schon erwähnt gibt es davon mehrere, wirklich wichtig sind nur 3: flat (oder auch planar), zylindrisch, und Kugel (sphärisch).

In der Factory wählt ihr das im Wizard mit aus. Bei Autopano habt ihr die Einstellungen dazu im Edit-Fenster (grüner Kreis), und danach auf den Button den ihr auch rechts seht (Formate). Bei PTGui findet ihr die Einstellung erst nach dem Klick auf "Advanced" rechts im Hauptfenster, danach bei den Karteireitern oben auf "Panorama Settings" und dort im Drop-Down-Menü von "Projection".

Mit einem Druck auf den Renderbutton (bei der Factory nach dem letzten "weiter") wird das Panorama gerendert, (Bei PTGUI im Reiter "Create Panorma") wie und wo ihr was abspeichert brauch ich euch ja nicht zu sagen :)

Wichtig ist:

flat (planar) - Für Druck oder Webseiten, hier wird das Panorama auf eine flache Fläche projeziert

Zylindrisch - Für QTVR, und andere Betrachter (wenn das Panorama nicht aus Aufnahmen besteht die eine komplette Kugel bilden würden)

Kugel (sphärisch) - für QTVR und andere Betrachter (wenn es eine Kugel wird)

Die letzten beiden werden als flach betrachtetes Bild sehr verzerrt dargestellt, im richtigen Betrachter (z.B. das QTVR) werden diese dann jedoch wegen der anderen Perspektive unverzerrt dargestellt.


Das Edit-Fenster von Autopano, mit der Projektions-Auswahl

d) speichern

Für den Druck, oder das Web habt ihr nun Flat bzw. Planar gewählt, und nach dem abspeichern könnt ihr das Bild nun weiterverarbeiten, und dann drucken (lassen) oder im Web präsentieren.

6. Die Bearbeitungsschritte für QTVR, Zoomify oder Flash

Im Grunde genommen sind die Schritte die selben, wie oben, nur dass wir jetzt zylindrisch wählen (für Zoomify, QTVR und Flash) oder, wenn wir auch nach oben und unten fotografiert haben, sphärisch (nur QTVR und Flash, Zoomify kann das schlecht bis gar nicht darstellen)

Das Speichern läuft nun jedoch etwas anders ab. Bei der Panorama Factory könnt ihr im Speicherdialog bei Dateiart gleich QTVR auswählen, und es wird gleich eine Mov-Datei erstellt, auf Wunsch auch eine HTML in der diese Datei eingebunden ist.

Bei PTGui und Autopano braucht man jetzt noch einen Schritt mit einem anderen Programm. PTGui kann zwar auch als QTVR ausgeben, die Ergebnisse sind aber nicht so zufriedenstellend wie bei der Factory.

Also speichern wir das lustig aussehende Pano als Jpeg.

Das laden wir dann in das Programm Pano2QTVR in welchem es dann in eine Mov-Datei umgewandelt wird. Pano2QTVR kann auch HTML Dateien erstellen, in denen Das Panorama dann eingebunden ist, fertig für die eigene Webseite. Und es kann das Panorama auch als Flash ausgeben, wenn euch das lieber ist als Apples Quicktime VR.

Für die darstellung in Zoomify ladet ihr das Jpeg in Photoshop CS3 und wählt dann Datei -> Exportieren -> Zoomify..

Wenn ihr Photoshop CS3 nich besitzt, so könnt ihr euch hier das kostenlose Zoomify runterladen: Klick (Eine Anleitung dafür findet ihr auch auf der Seite.

7. Jetzt zu den Ergebnissen

Flat:


(Anklicken für große Version)

Beispiele für QTVR-Panos: hier

Beispiele für Zoomify-Panos: hier

Beste Wahl für bestimmte Panoarten:

Teilpanorama wie das Beispiel hier: Zoomify oder normale Planares Pano
360° Panorama ohne oben und unten: Zoomify oder QTVR (bzw. Flash)
360° Panorama als Kugel: QTVR bzw Flash.

8. Softwareliste mit Herstellerlinks (Auswahl)

Hier sollte eine Liste stehen mit Software, da es aber noch andere Bildbearbeitungen als Panoramas gibt, hab ich eine etwas größere Liste erstellt, in der die Panoramaprogramme auch mit aufgelistet sind.

Diese Liste findet ihr hier: Klick

Viel Spass beim nachmachen!

Über Feedback würde ich mich wie immer freuen.

Euer Rayko